In den 60er Jahren wollte man die Techniken rund um Aufnahme und Wiedergabe massentauglich machen. In diesem Rennen setzte sich Philips durch und brachte 1963 die sogenannte „Kompaktkassette“ (kurz Kassette) auf den Markt. Die Verbindung von Musik und Mobilität wurde zum Trend und tragbare Kassettenspieler und Radiorekorder (Ghettoblaster) kamen auf den Markt. 1979 brachte Sony den Walkman raus. Diese Geräte machten Musik flexibel und individuell verfügbar.
Die Kassette machte es zudem möglich eigene Aufnahmen zu machen und Musik zusammenzustellen, die Mixtape-Kultur war geboren. Vergleichbar mit einer eigenen Playlist heute auf einem Musikstreamingdienst, nur weniger aufpoliert und oft handelte es sich um Radioaufnahmen. Diese Mixtape-Kultur schlug sich in allen möglichen Bereichen des Lebens nieder, als Mittel der Kommunikation in Liebesbeziehungen und Freundschaften aber auch als Form von kultureller Teilhabe abseits der Musikindustrie.
Durch die Aufnahmen gab es erstmalig auch Streit um das Urheberrecht und Fragen über die Rechtmäßigkeit von Privataufnahmen. Musiklabels verzeichneten Verluste, da immer mehr Menschen ihre Lieblingsmusik einfach zu Hause aufnahmen („Home Taping is Killing Music“). Die Demokratisierung von Musik und die kreative Aneignung von deren Zugang ist ein Prozess, der in den 60er und 70er Jahren ins Rollen kam und bis heute andauert. In diesen Anfangsjahren der Kassetten und Mixtapes wurden Musikmedien zum ersten Mal in einem größeren Umfang mit Alltagspraktiken verwoben. Der Einfluss von der Kassette reichte von der Gestaltung der Musik im eigenen Wohnzimmer bis zum subkulturellen Statement auf der Straße.
