Diese Hall of Fame versammelt Plattenspieler, die für die Geschichte analoger Musikkultur eine besondere Rolle gespielt haben. Dabei folgt die Auswahl keiner objektiven Rangliste, sondern verbindet zwei kuratierte Perspektiven. Sie zeigt Geräte, die in unterschiedlichen Kontexten prägend waren: im Studio, im Hi-Fi-Bereich und später auch in der DJ-Kultur. Auf diese Weise wird deutlich, dass analoge Technik nicht nur als Wiedergabemedium verstanden werden kann, sondern immer auch als Designobjekt, Arbeitsgerät und kulturelles Symbol.
Ausgewählt von PD Dr. Ulrich Hägele
Ulrich Hägele leitet das Tübinger Campusradio Micro-Europa am Zentrum für Medienkompetenz Tübingen. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich der medialen Visualisierung, die er sowohl historisch als auch in alltagskulturellen Zusammenhängen untersucht. Dabei beschäftigt er sich insbesondere mit der Geschichte der Fotografie, mit illustrierten Printmedien, mit ikonographischen Fragestellungen sowie mit der Digitalisierung visueller Medien und Mode. Auch in der Lehre verbindet Hägele diese Themen immer wieder mit projektorientierten Formaten. So leitete er unter anderem 1997/98 gemeinsam mit Gudrun König ein mehrsemestriges Studienprojekt über den NS-Fotografen Hans Retzlaff sowie 2006 ein Ausstellungsprojekt zur ethnographischen Fotografie Hermann Bausingers aus den 1950er Jahren.
Garrard 301 (1954-1964)
Ein britisches Studio-Laufwerk, das besonders im Rundfunk- und Hi-Fi-Kontext einen legendären Status erreichte. Seine massive Bauweise und der Reibradantrieb machen es bis heute zu einem gesuchten Klassiker.


EMT 930 Mono – Stereo (1956-1985)
Ein professioneller Studioplattenspieler, der für den Dauerbetrieb in Rundfunk- und Tonstudios entwickelt wurde. Das Gerät steht exemplarisch für analoge Technik als präzises Arbeitsinstrument.

„Plattenspieler für langjährigen harten Studiobetrieb. Er hat drei Geschwindigkeiten, Start/Stop Fernsteuerung des Hilfsplattentellers, Tonarm und Tonabnehmer sowie Entzerrerverstärker. Es ist das klassische EMT-Gerät, dessen Grundkonzeption sich seit 30 Jahren weltweit bewährt hat und das stets technisch weiterentwickelt und auf modernstem Stand gehalten wurde. Das Modell kann stets auf die aktuelle Technik nachgerüstet werden.“ – EMT Online-Archiv
Braun PCS 5 (1962-1966)
Der Braun PCS 5 verbindet Plattenspielertechnik mit der reduzierten Gestaltungssprache der frühen Braun-Hi-Fi-Geräte. Gerade in dieser Verbindung aus Funktionalität, klarer Form und häuslicher Modernität wird sichtbar, dass analoge Technik auch Designgeschichte ist.
Lenco L 70 (1958-1970)
Der Lenco L 70 gehört zu den Schweizer Reibrad-Plattenspielern, die heute besonders wegen ihrer robusten Mechanik geschätzt werden. Er steht für eine Phase, in der Hi-Fi noch stark von feinmechanischer Präzision und materialstarker Konstruktion geprägt war.


Thorens TD 124 MK 1 und MK2 (1957-1968)
Der Thorens TD 124 gilt als einer der prägenden Klassiker der Hi-Fi-Geschichte. Entwickelt für Studios und anspruchsvolle Heimanwender, verbindet er massive Konstruktion mit einem kombinierten Riemen- und Reibradantrieb. Bis heute ist er ein Bezugspunkt für Liebhaber:innen klassischer Analogtechnik. Thorens selbst nennt den TD 124 einen Meilenstein, der 1957 eingeführt und bis 1968 produziert wurde.
Perpetuum Ebner PE 33 Studio (1963-1970)
Der PE 33 Studio war ein Spitzenmodell von Perpetuum-Ebner aus St. Georgen und steht für die deutsche Phonoindustrie der 1960er Jahre. Wie andere große Laufwerke dieser Zeit setzte er auf mechanische Präzision und einen aufwendigen Antrieb, der ihn deutlich über einfache Haushaltsgeräte hinaushebt.
Elac Miraphon 18 H (1965-1969)
Der Elac Miraphon 18 H zeigt, wie breit der Markt hochwertiger Plattenspieler in den 1960er Jahren war. Neben bekannten Namen wie Thorens, Garrard oder Dual standen auch Hersteller wie ELAC für solide, technisch ambitionierte Geräte aus deutscher Produktion.
Bang & Olufsen (1963-1965)
Bang & Olufsen brachte mit seinen frühen Beogram-Modellen eine deutlich designorientierte Perspektive in die Plattenspielergeschichte. Die Geräte zeigen, dass analoge Musikwiedergabe nicht nur technisch, sondern auch als Teil eines gestalteten Wohnumfelds verstanden wurde.
Dual 701 (1973-1976)
Der Dual 701 war Duals erster Hi-Fi-Plattenspieler mit Direktantrieb und markiert damit den Übergang von klassischer Reibrad- und Riementechnik zu elektronisch geregelten Antriebssystemen. Er steht für die technische Weiterentwicklung des Plattenspielers in den 1970er Jahren.
Acoustical 3100 (1966-1969)
Der Acoustical 3100 aus den Niederlanden ist weniger bekannt, gehört aber zur Gruppe ambitionierter europäischer Hi-Fi-Laufwerke der 1960er Jahre. Als semi-professioneller Plattenspieler zeigt er, dass analoge Präzisionstechnik nicht nur aus den großen Markenzentren kam.
Technics SL 1200 (seit 1972, ursprüngliche Serie bis 2010, spätere Neuauflagen ab 2016)
Der Technics SL-1200 machte den Direktantrieb alltagstauglich, robust und clubfähig. Was zunächst als hochwertiger Hi-Fi-Plattenspieler begann, wurde in der DJ- und Clubkultur zu einem eigenen Instrument: zum Werkzeug für Beatmatching, Cueing und später Turntablism. Technics beschreibt den SL-1200 selbst als 1972 eingeführtes Modell, das später zum Standard in der Disco- und Clubszene wurde.



Ausgewählt von Joachim Bung
Joachim Bung ist Autor und Verleger von Schweizer Präzision, einem umfangreichen Werk zur Geschichte des Thorens TD 124 und weiterer klassischer Hi-Fi-Plattenspieler. Seine Beschäftigung mit analoger Technik ist dabei eng mit St. Georgen im Schwarzwald verbunden, das lange Zeit ein wichtiges Zentrum der deutschen Phonoindustrie war. Für seine Bücher recherchierte Bung nicht nur historische Quellen, sondern führte auch Gespräche mit Zeitzeugen und arbeitete mit umfangreichem Bildmaterial. Seine Auswahl richtet den Blick deshalb besonders auf Plattenspieler als präzise konstruierte technische Objekte, zugleich aber auch als Zeugnisse europäischer und japanischer Hi-Fi-Geschichte.
EMT 927 (1952-1976)
Garrard 301 (1954-1964)
Dieser Plattenspieler wurde bereits in der Auswahl von Ulrich Hägele vorgestellt und erscheint auch in Bungs Auswahl als zentrales Referenzmodell.
EMT 930 (1956-1985)
Der EMT 930 kann als kompakteres, im Studiobetrieb weit verbreitetes Gegenstück zum EMT 927 verstanden werden. Er zeigt, wie sich professionelle Analogtechnik im Alltag von Rundfunkanstalten bewähren musste: zuverlässig, wartbar und auf dauerhafte Nutzung ausgelegt.
Thorens TD 124 MK 1 (1957-1964) und Thorens TD 124 MK 2 (1965-1968)
Dieser Plattenspieler wurde bereits in der Auswahl von Ulrich Hägele vorgestellt und erscheint auch in Bungs Auswahl als zentrales Referenzmodell.
Garrard 401 (1965-1977)
Der Garrard 401 war der Nachfolger des 301 und führte dessen Grundidee in einer moderneren Gestaltung weiter. Er blieb ein klassisches Reibrad-Laufwerk, wurde aber technisch und formal überarbeitet. Damit markiert er den Versuch, bewährte Studiotechnik in die Ästhetik der späten 1960er Jahre zu übertragen.
Elac Miracord 10 H (1961-1965)
Der Elac Miracord 10 H verband Automatikkomfort mit Hi-Fi-Anspruch. Er zeigt, dass in den frühen 1960er Jahren nicht nur reine Laufwerke, sondern auch Plattenwechsler als ernstzunehmende Hi-Fi-Geräte verstanden wurden.
Dual 1009 (1963-1966)
Der Dual 1009 war ein wichtiger Schritt für Duals internationale Hi-Fi-Wahrnehmung. Als automatischer Plattenspieler verband er Bedienkomfort mit einem höheren Anspruch an Abtastung und Klangqualität und machte hochwertige Analogtechnik für viele Haushalte zugänglicher.
Perpetuum Ebner PE 33 studio (1963-1967)
Dieser Plattenspieler wurde bereits in der Auswahl von Ulrich Hägele vorgestellt und erscheint auch in Bungs Auswahl als zentrales Referenzmodell.
Technics SP 10 (1970-1975)
Der Technics SP-10 markiert einen technischen Umbruch. Technics führte ihn 1970 als weltweit ersten Plattenspieler mit Direktantrieb ein. Damit wurde eine Alternative zu Riemen- und Reibradantrieben etabliert, die später auch die Entwicklung des SL-1200 prägte.
Dual 701 (1971 -1973)
Dieser Plattenspieler wurde bereits in der Auswahl von Ulrich Hägele vorgestellt und erscheint auch in Bungs Auswahl als zentrales Referenzmodell.
Micro DDX-1000 (1976-1978)
Der Micro Seiki DDX-1000 bringt eine japanische High-End-Perspektive in die Auswahl. Sein modularer Aufbau und die markante Form machen ihn nicht nur zu einem technischen Gerät, sondern auch zu einem fast skulpturalen Objekt analoger Audiokultur.
Unser Fazit
Die Auswahl macht deutlich, dass Plattenspieler weit mehr sind als technische Geräte. Sie gehören zu unterschiedlichen Gebrauchskontexten und verweisen sowohl auf das Studio als auch auf den häuslichen Hörraum, den Club und die Sammlerkultur. Dadurch werden sie zu Objekten, in denen sich Fragen nach Klang, Materialität, Präzision und kultureller Erinnerung miteinander verbinden.
